25 Jahre Deutsch-Mexikanische Juristenvereinigung
Von Dr. Hans-Rudolf Horn


Muy estimado consul Portillo Jiménez, sehr geehrter Professor Kindler, meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Freunde,

wenn eine Vereinigung 25 Jahre lang besteht, ist dies Anlass zu einem festlichen Gedenken; bei einem Ehejubiläum pflegt man silberne Hochzeit zu feiern. Bei der Deutsch-Mexikanischen Juristenvereinigung, unserer DMJV, sind jedenfalls einige Worte der Rückbesinnung am Platze. Als Mexikaner von Geburt, der lange Zeit im Lande gelebt hat, und als deutscher Wissenschaftler, dessen Forschungsschwerpunkte Rechtsvergleichung und internationales Privatrecht sind, war unser Freund Prof. Dr. Karl August Prinz von Sachsen-Gessaphe wie kein anderer berufen, die Deutsch-Mexikanische Juristenvereinigung zu gründen. Über die Gründungsversammlung vom 30. Juni 1988 berichtete der erste Generalsekretärs der DMJV Dr. Bernd Sagasser im Mitteilungsblatt El Mensajero, über das die DMJV ursprünglich verfügte, in Heft 1. Teilnehmer waren 35 Damen und Herren. Karl August Prinz von Sachsen-Gessaphe wurde zum Präsidenten, Prof. Peter Winkler von Mohrenfels zum ersten Vizepräsidenten und Prof. Dr. Volkmar Gessner von der Universität Bremen zum zweiten Vizepräsidenten gewählt. Deren Vorträge zum Internationalen Privatrecht und zur Zivilgerichtsbarkeit in Mexiko, die im Februar an der Universität München gehalten wurden, sind im Mensajero veröffentlicht worden.

Der 1. Jahreskongress der DMJV fand im Juni 1989 im Dominikanerkloster Bornheim-Walberberg bei Bonn statt, der mit einem Empfang des mexikanischen Botschafters Adolfo Hegewithsch in dessen Residenz in Köln verbunden war. In meiner Jungfernrede bei der DMJV konnte ich sozusagen als Mann der zweiten Stunde über „72 Jahre mexikanische Bundesverfassung“ sprechen. Weitere Kongressthemen waren

- das neue UN-Kaufrecht im deutsch-mexikanischen Warenverkehr,

- Änderungen im Steuerrecht und

- die Förderung und Steuerung von Investitionen.

Der 2. Jahreskongress am 28. – 30. Juni 1990 in München befasste sich mit

- der Deregulierung des Handelsverkehrs,

- Auslandsinvestitionen,

- familienrechtlichen Fragen und

- Änderungen im Recht des Schmerzensgeldes.

Es kam nun darauf an, Mexiko und die Mexikaner unmittelbar vor Ort einzubeziehen. Der 3. Jahreskongress, der 1991 dort stattfand, wurde zum ersten Höhepunkt, wie Präsident von Sachsen-Gessaphe in der 4. (und letzten) Ausgabe von El Mensajero mit berechtigtem Stolz sagen konnte. Hatte er doch mit Umsicht und Tatkraft zunächst von München aus und dann auch vor Ort einige Wochen vor dem Kongress notwendige organisatorische Vorbereitungen getroffen. Der erste Kongress in Mexiko, der in den Medien ein nachhaltiges Echo fand, verdient es, etwas ausführlicher dargestellt zu werden.

Die Nachrichtensendung eines mexikanischen Fernsehsenders, der auf dem gesamten amerikanischen Kontinent, aber auch auf der iberischen Halbinsel empfangen wird, brachte einen Bericht über die feierliche Eröffnung des Kongresses. Die mexikanische Tageszeitung Excelsior vom 24. September 1991 enthielt neben einem Bericht auch ein Foto von Teilnehmern. In juristischen Fachzeitschriften wie in Recht der internationalen Wirtschaft und in Verfassung und Recht in Übersee erschienen 1992 meine Berichte. Das DMJV-Mitglied Manfred Tews hatte bereits 1991 einen Bericht in der Zeitschrift der Deutsch-Mexikanischen Industrie- und Handelskammer Cooperación veröffentlicht.

Die Tagung fand in den repräsentativen Räumen des mexikanischen Außenministeriums in Tlatelolco am Platz der drei Kulturen vom 23. – 27. September 1991 statt. Der Kongress wurde feierlich durch den Präsidenten der DMJV und den Leiter der Europaabteilung des mexikanischen Außenministeriums Samuel Berkstein eröffnet. Dann verwies Prof. Dr. Héctor Fix-Zamudio von der Autonomen Nationalen Universität Mexiko, der UNAM, der damals Präsident des Interamerikanischen Gerichtshofes war, in seinem Grußwort auf die enge Zusammenarbeit mit der DMJV hin.

Der zweite Konferenztag stand im Zeichen der deutschen Wiedervereinigung, an der die mexikanische Regierung in mehreren Botschaften an Bundeskanzler Kohl und Bundespräsident Weizsäcker ihr Interesse bekundet hatte. Samuel Berkstein sprach von einer neuen Ära der Beziehungen zwischen Mexiko und Deutschland. Im gleichen Sinne hob der deutsche Botschafter Peter Dingens die Bedeutung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit der beiden Länder hervor.

Der Tagungsort Tlatelolco, eine rechtlich selbständige Stadt im Bundesdistrikt, legte es nahe, auf die Bedeutung und Weiterentwicklung des Abkommens von Tlatelolco über die Nichtverbreiterung von Atomwaffen in Iberoamerika einzugehen. Grundsätzliche Aspekte der Rechtsvergleichung in Mexiko behandelte Dr. José Luis Soberanes, damals Direktor des angesehenen Rechtsforschungsinstituts der UNAM.

Interessante Parallelen in der deutschen und der mexikanischen Verfassungsdiskussion waren Gegenstand meines Vortrages. Soziale Grundrechte waren zum ersten Mal in der mexikanischen Verfassung von 1917 als Vorbild für viele andere Länder verankert worden. Nach der Wiedervereinigung wurde auch in Deutschland diese Frage diskutiert. Prof. Hans-Ullrich Gallwas von der Universität München vertiefte die verfassungsrechtlichen Aspekte in seinem Beitrag „Der Weg zur deutschen Einheit und nach Europa“. Zivilrechtliche Aspekte der deutschen Vereinigung im Zusammenhang mit den mexikanischen Handelsbeziehungen zur DDR behandelte Prof. Ulrich Magnus von der Universität Hamburg.

Ein weiterer Kongresstag war juristischen Einzelfragen gewidmet. An den Vorträgen nahmen auch zahlreiche Anwälte und Studenten aus Mexiko teil. Die Anerkennung und Vollstreckung von Urteilen des jeweilig anderen Staates wurde von Experten aus beiden Ländern behandelt, von Peter Schlosser von der Universität München vom deutschen Standpunkt aus. Einen aufschlussreichen Überblick über das internationale Gesellschaftsrecht in Mexiko, Deutschland, Österreich und der Schweiz gab Dr. Walter Frisch Philipp, ein mexikanischer Anwalt aus Österreich. Probleme des Markenrechts im wiedervereinigten Deutschland beschrieb Rechtsanwalt und Notar Hans-Dieter Nahme aus Hannover. Er war es, der auch eine Übersetzung einer verfassungsrechtlichen Veröffentlichung von Héctor Fix-Zamudio ins Deutsche angeregt hatte. Meine Beteiligung an diesem Projekt führte mich dann zur DMJV. Das mexikanische Markenrecht auf der Grundlage der jüngsten Gesetzgebung behandelte Dr. David Rangel Medina, dessen Ruf als führender Experte auf diesem Gebiet neben den Kongressteilnehmern besonders viele Zuhörer aus Mexiko angelockt hatte.

Ein attraktives Thema waren schon damals aktuelle Probleme des Umweltrechts. Sie wurden von renommierten Fachleuten aus beiden Ländern behandelt, nämlich von zwei Juristen und zwei Technikern aus Mexiko sowie aus Deutschland von Prof. Michael Kloepfer, damals Universität Trier, und einem Vertreter des deutschen Umweltministeriums. Vollzugsdefizite beim mexikanischen Umweltrecht blieben nicht unerwähnt. Immerhin sind einmal wegen nachgewiesener Verstöße allein im Bundesdistrikt mehr als hundert Betriebe, auch von weltbekannten Unternehmen, zumindest vorübergehend geschlossen worden. Die Erörterungen über das Umweltrecht wurden in einer Arbeitsgruppe vertieft, die in eine Reihe von Empfehlungen zur Zusammenarbeit beider Länder mündeten. Die Referate zu diesem Thema wurden 1994 Gegenstand einer besonderen Buchpublikation „Umweltrecht in Deutschland und Mexiko“, die eigentlich eine eigene Schriftenreihe der DMJV einleiten sollte. Aber auch zu anderen Kongressthemen wie zur Verfassungsdiskussion und zur Vollstreckung ausländischer Urteile wurden spezielle Stellungnahmen erarbeitet und den zuständigen Stellen zugeleitet.

Zum Rahmenprogramm gehörten ein Besuch in Cuernavaca, der „Stadt des ewigen Frühlings“, wo sich seinerzeit auch Kaiser Maximilian gern aufgehalten hatte, ein Mittagessen im dortigen Golfclub, ein Besuch des Balleto Folklórico in Mexiko-Stadt und ein Ausflug zu den Pyramiden von Teotihuacan. Den Abschluss bildete ein Galadiner im University-Club an dem Paseo de la Reforma. Die Beiträge des Kongresses wurden einem Sammelband veröffentlicht.

Der nächste Jahreskongress fand in Karlsruhe im September 1992 mit einem Vortrag über das Freihandelsabkommen Mexikos mit den USA und den USA, den eine Vertreterin der mexikanischen Handelsmission in Köln hielt. In den Räumen des Bundesverfassungsgerichts sprach dessen Direktor Dr. Karl-Georg Zierlein über aktuelle Fragen der Verfassungsgerichtsbarkeit. Zum Rahmenprogramm gehörten ein Empfang der Stadt Karlsruhe, ein Ausflug zum Hambacher Schloss mit anschließender Weinprobe sowie eine Wohltätigkeitsball mit dem mexikanischen Botschafter bei Mariachi-Musik.

Beim Jahreskongress in München 1993 behandelte Dr. Rainer Prokisch von der Forschungsstelle für ausländisches und internationales Finanz- und Steuerrecht der Uni München das neue deutsch-mexikanische Doppelbesteuerungsabkommen.

Im Zusammenwirken mit dem Institut für Politikwissenschaft und dem interdisziplinären Arbeitskreis Lateinamerika der Johannes Gutenberg-Universität Mainz fand am 17. November 1994 ein Kongress „Mexiko an der Schwelle des dritten Jahrtausends“ mit über fünfzig Teilnehmern aus Mexiko und der gesamten Bundesrepublik Deutschland statt. Prof. Dr. Manfred Mols, damals Universität Mainz, eröffnete den Kongress, der mit einer Analyse der Außenpolitik und mit Fragen der Innenpolitik in Mexiko begann. Der Argentinier E. Garzón Valdés, der damals in Mainz, später in Köln an der Universität lehrte, sprach über Medien, Film und Literatur in Mexiko und Héctor Fix-Fierro von der UNAM über Agrarreform und Landentwicklung. Weitere Themen waren

- Raumplanung und Dezentralisierung ,

- Wirtschaft- und Sozialpolitik,

- Umweltpolitik

- sowie Menschenrechtsdiskussion und Zivilgesellschaft.

Den Abschluss des Kongresses bildete eine Podiumsdiskussion mit Professoren aus Mainz, Wien, Marburg und Mexiko über die Chancen der demokratischen Entwicklung. Die Teilnehmer wurden im Rathaus von der Stadt Mainz und in der Staatskanzlei Rheinland-Pfalz empfangen. Die Referate der Tagung wurden in dem Buch „Mexiko im Wandel“ von Prof. Dr. Hans-Joachim Lauth und mir 1995 herausgegeben.

Rechtliche Aspekte des Außenhandels zwischen Deutschland, Mexiko und Argentinien waren Gegenstand des Kongresses vom 24. bis zum 27. September 1997 in Düsseldorf, der in Zusammenarbeit mit der Universität Düsseldorf, der Argentinisch-Deutschen Juristenvereinigung, dem Iberoamerika-Verein sowie von dem damaligen Generalsekretär der DMJV Rechtsanwalt Dr. Roland Bomhard, Düsseldorf, koordiniert wurde. Praktische Erfahrungen mit dem UN-Kaufrecht behandelte der Vorsitzende der Argentinisch-Deutschen Juristenvereinigung Prof. Dr. Burghard Piltz aus deutscher, Rechtsanwalt Dr. Zuppi und Dr. Silvina Palenque Bullrich aus argentinischer und Rechtsanwalt Dr. Herfried Wöss aus mexikanischer Sicht sowie Rechtsanwalt Dr. Frank Montag, Brüssel, aus Sicht der Europäischen Union. Entwicklungen im Internationalen Privatecht der Mobiliarsicherheiten wurden von dem Dekan der juristischen Fakultät Prof. Dr. Dörner erörtert. Rechtsanwälte Dr. Thomas Mueller, Mexiko, und Dr. Ricardo Truppel, Buenos Aires, sprachen über die Sicherung von Lieferantenforderungen in ihren Ländern. Die Entwicklungen im Bereich des Insolvenzrechts in den verschiedenen Ländern waren Gegenstand von Vorträgen von Dr. Manóvil (Argentinien) und Frisch-Philipp (Mexiko) sowie Prof. Dr. Peter Kindler in Bezug auf das internationale Konkursrecht. Zum Rahmenprogramm gehörten ein Empfang in der Düsseldorfer Anwaltskanzlei, in der Dr. Bomhard tätig ist, und ein Schiffsausflug nach Kaiserswerth.

Im Oktober 1998 waren in München Probleme des Staatsangehörigkeitsrechts Gegenstand eines Vortrages des mexikanischen Generalkonsuls, von einem Vertreter des Bayerischen Innenministeriums und Prof. Gallwas und einer Podiumsdiskussion.

Im März 1999 wieder ein Kongress in Mexiko statt, und zwar in den Räumen der Anáhuac-Universität. Er befasste sich

- mit Projekten der Infrastruktur im nationalen und internationalen Zusammenhang,

- Fragen der Investition und deren Finanzierung,

- der Energiepolitik,

- der Wasserversorgung,

- dem mexikanischen Handelsrechts,

- dem Zollrechts

- und der Finanzverfassung im föderativen System in Mexiko und Deutschland.

Das Volkswagenwerk in Puebla wurde als ein Modell für internationale Zusammenarbeit besichtigt.

Bei der Jahrestagung im September 2000, die im mexikanischen Pavillon der Expo in Hannover stattfand, ging es in dem Vortrag von Rainer Dombois um Rechtfragen des NAFTA-Abkommens.

In Hamburg fand am 12. Oktober 2001 in Zusammenarbeit mit dem Ibero-Amerika-Verein ein Kongress statt. Dabei ging es um

- die Justizreform in Mexiko,

- Probleme der Zivilgerichtsbarkeit,

- die Durchsetzung von Schiedssprüchen

- und den einstweiligen Rechtschutz auf dem Gebiet des geistigen Eigentums.

Am Abend fand eine Begegnung mit dem neuen mexikanischen Präsidenten Vincente Fox bei einem Gala-Dinner im Hotel Atlantik statt, den der Ibero-Amerika-Verein eingeladen hatte. Er war der erste Präsident nach 71 Jahren, der nicht von der Institutionellen Revolutionspartei (PRI) kam, die selbst in Lehrbüchern als „die offizielle Partei“ bezeichnet wurde, sondern von der Oppositionspartei PAN (Partei der Nationalen Aktion).

Im September 2002 fand der Jahreskongress in Zusammenarbeit mit der Iberoamerikanischen Universität in Mexiko-Stadt in deren Räumen statt. Beteiligt waren die Konrad-Adenauer-Stiftung in Mexiko und die Zeitschrift Latin Lawyer in Mexiko-Stadt. „Latin Lawyer“ – nicht Latin Lover, obwohl dies sicher auch ein attraktives Thema wäre. Fragen der juristischen Ausbildung in Mexiko waren Gegenstand der Ausführungen insbesondere von Dr. Claus Wobeser, dem damaligen Präsidenten der mexikanischen Anwaltskammer. Ein Abkommen zwischen Mexiko und der Europäischen Union wurde von einem Mexikaner und einem Vertreter der EU eingehend behandelt. Themen waren ferner

- das internationale Schiedsverfahren,

- Probleme des neuen Insolvenzverfahrensrechts

- und des Verfassungsrechts in Mexiko und Deutschland.

Dagegen war im nächsten Jahr der Kongress in Zusammenarbeit mit der Fernuniversität Hagen, an welcher der Vorsitzende zur Zeit als Dekan tätig ist, gut besucht. Dieser 2003 konnte bei dem ersten Treffen im Schlosshotel Hohenlimburg auch mehrere neue Mitglieder aus Mexiko willkommen heißen.

Bernhard Wobeser, der jetzt als mexikanischer Generalkonsul in Frankfurt am Main die Teilnehmer begrüßt hatte, erörterte zusammen mit zwei weiteren Experten aus Mexiko die Auswirkungen des Freihandelsabkommens Mexikos mit der Europäischen Union. Er wies darauf hin, dass Präsident Fox notwendige Reformen des Arbeits-, Steuer- und Energierechts wegen fehlender Mehrheiten und des Widerstands der Gewerkschaften nicht verwirklichen konnte. Peter Winckler von Mohrenfels widmete sich dem Problem von Kindesentführungen über nationale Grenzen hinweg, die zum Gegenstand eines internationalen Abkommens gemacht worden sind.

Die bundesstaatliche Ordnung stand auf der Jahrestagung im September 2004 in Berlin im Mittelpunkt der Erörterung. Sehr beziehungsreich wurde sie auch im Gebäude des Bundesrates durch dessen Direktor eröffnet. Der uns schon von einer Tagung in Mexiko bekannte Professor Kloepfer, der inzwischen Dekan der Juristischen Fakultät der Humboldt-Universität geworden war, sprach über Probleme des Föderalismus in Deutschland und der Leiter des Sekretariats der Föderalismuskommission über konkrete Bemühungen um eine Modernisierung der bundesstaatlichen Ordnung. Parallel dazu wurden Entwicklungen des Föderalismus in Mexiko behandelt.

 

In einer Anwaltskanzlei am Gendarmenmarkt wurden am Nachmittag Fragen der Strafrechtsdogmatik behandelt, die in Mexiko wenig entwickelt ist. Kritisch setzte sich der Vorsitzende der DMJV mit dem 2001 in Deutschland in Kraft getretenen Gesetz über die eingetragene gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaft und Vergleichsmodellen im europäischen Ausland auseinander. Er wies auf die kontroverse Entstehungsgeschichte und die technischen Mängel des Gesetzes hin, insbesondere die zwischenzeitlich geschlossene „Bigamielücke“ in dem Sinne, dass rechtlich keine Vorkehrungen getroffen worden waren, um zu verhindern, dass eine in einer registrierten Lebensgemeinschaft lebende Person nicht die Ehe mit einer dritten Person eingehen kann.

 

Im Gebäude des Auswärtigen Amtes wurden am nächsten Tag politische und rechtliche Probleme in den deutsch-mexikanischen Beziehungen aus der Sicht des Auswärtigen Amtes, der Deutschen Botschaft in Mexiko und des deutsch-mexikanischen Anwalts Emilio Maus Ratz behandelt.

 

Die Tagung der DMJV in Berlin wurde abgerundet durch ein eindrucksvolles Begleitprogramm wie der Feier des mexikanischen Unabhängigkeitstages in der architektonisch bemerkenswerten Botschaft der Vereinigten Mexikanischen Staaten, ein Konzert der Berliner Philharmoniker und eine Bootsfahrt auf der Spree durch das Regierungsviertel.

 

Im Mittelpunkt der Frankfurter Tagung im September 2005 standen Entwicklungen des Bank- und Wirtschaftsrechts in Mexiko. Sie fand im Clubhaus der Frankfurter Rudergesellschaft am Mainufer statt. Die Vertreter des mexikanischen Generalkonsulates machten auf die neuen Möglichkeiten aufmerksam, die sich für deutsche Investoren böten, Mexiko nach dem Abschluss der Freihandelsabkommen als Sprungbrett insbesondere in die USA zu nutzen. César Elizondo aus Monterrey sprach von den Erfahrungen eines mexikanischen Unternehmers in Deutschland. Ihm war es immerhin gelungen, die deutsche Ruhrpumpen GmbH zu übernehmen und vor dem Konkurs zu retten.

 

In den Räumen der Europäischen Zentralbank, die besichtigt werden konnte, kamen in einem Vortrag aktuelle Entwicklungen des europäischen Bankrechts zur Sprache. Ein Vertreter der Landesbank Baden-Württemberg beschrieb die Tätigkeit des German Centre in Mexiko-Stadt. Der Generalsekretär der DMJV, Rechtsanwalt Dr. Philip-André Zinn , stellte die Kapitalgesellschaften in Mexiko vor und wies auf die vielfältigen Möglichkeiten hin, dort als Ausländer Geschäfte zu betreiben.

 

Zum Rahmenprogramm gehörten eine Stadtrundfahrt im „Äppelwoi-Express“, ein Mittagessen in der „Schirn“ mit der Ausstellung von Rodin und Beuys und die „Noche Mexicana“ zum Unabhängigkeitstag mit Mariachi-Musik im Hotel Mariott.

 

Beim nächsten Kongress, der am 12. Oktober 2006 wiederum in Frankfurt stattfand, wurden rechtliche Aspekte von On-Line-Verträgen aus mexikanischer und aus deutscher Sicht behandelt. Am Nachmittag wurde das mexikanische Generalkonsulat in Frankfurt vorgestellt und die Service-Leistungen für Mexikaner in Deutschland aufgezeigt. Der Vorsitzende der DMJV behandelte Fragen des Deutsch-Mexikanischen Ehe- und Scheidungsrechts, und Schatzmeister Rechtsanwalt Robert Kugler deutsch-mexikanische Erbfälle.

Der gegenwärtige Direktor des Rechtsforschungsinstituts der UNAM, Prof. Dr. Héctor Fix Fierro, damals noch Mitglied des Vorstands der DMJV, veranstaltete vom 27. bis 30. August 2007 Mexiko gemeinsam mit dem in Mexiko tätigen österreichischen Anwalt Dr. Herfried Wöss einen Fachkongress zum Thema Mündlichkeit und Unmittelbarkeit des Gerichtsverfahrens im Kontext der Rechtsvergleichung. Veranstaltungsorte waren die Richterschule in Toluca, der Hauptstadt des Teilstaates México, und die UNAM im mexikanischen Bundesdistrikt. Zu dem Thema sprach insbesondere auch der Präsident des deutschen Bundesgerichtshofes Prof. Dr. Günter Hirsch, der mit den Richtern des mexikanischen Obersten Gerichtshofes Erfahrungen austauschte. Der Richter am mexikanischen Obersten Gerichtshof Dr. José Ramón Cossio referierte über das Prinzip der Mündlichkeit im mexikanischen Rechtsschutzverfahren des Amparo. Beteiligt waren mehrere mexikanische Universitäten wie die Universidad Iberoamericana und die Universidad Panamericana, aber auch die Konrad-Adenauer-Stiftung, sowie das Berufungsgericht und die Richterschule in Toluca. Die Bedeutung des Kongresses wurde durch hochkarätige Redner aus Wissenschaft und Praxis unterstrichen, die nicht nur aus Deutschland und Mexiko, sondern auch aus anderen lateinamerikanischen Ländern wie Chile, Peru und Costa Rica angereist waren. Die Ergebnisse der Tagung wurden von der mexikanischen Regierung aufgegriffen und erörtert.

An der Universität Rostock veranstaltete DMJV-Vizepräsident Winkler von Mohrenfels, der dort als Rechtslehrer tätig ist, im Oktober 2007 den Kongress „Demokratie und Rechtsstaatlichkeit in Mexiko und Deutschland“. Nikolaus Werz von der gleichen Universität widmete sich der Entwicklung der mexikanischen Parteien und ihrer Beziehungen zu deutschen Parteistiftungen. Prof. Dr. Marianne Braig, Freie Universität Berlin, und Hans-Joachim Lauth, damals Fernuniversität Hagen, setzten sich kritisch mit der Entwicklung von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit in Mexiko auseinander. In den Räumen des Oberlandesgerichtsgerichts Rostock machte J. Jesus Orozco Henríquez vom Rechtsforschungsinstitut der UNAM deutlich, dass das mexikanische Wahlgericht durch seine Entscheidungen dazu beigetragen hat, freie und rechtmäßige Wahlen zu garantieren. Die Professoren Bernd Waas, Fernuniversität Hagen, und Olaf Deinert, Göttingen, befassten sich mit interessanten Fragen des deutschen Arbeitsrechts und Thomas H. Natividad Sánchez mit solchen des mexikanischen. Segundo García Hinojos, Professor an der Anahuac Universität, brandmarkt die Rechtsprechung des Obersten Gerichtshofes zur erzwungenen passiven Streitgenossenschaft als Verstoß gegen das Rechtsstaatsprinzip des ne bis in idem. Der in München 2008 erschienene Tagungsband der DMJV enthält die aufgeführten Vorträge.

Zum Rahmenprogramm gehörte ein Empfang im Rostocker Rathaus, ein Besuch der kleinen Komödie in Warnemünde, die Besichtigung des Renaissance-Schlosses, des Doms und des Barlach-Museum in Güstrow sowie des Münsters in Doberan.

In Zusammenarbeit mit der Forschungsstelle Umweltenergierecht der Universität Würzburg wurde dort im Oktober 2009 das Thema Recht der Erneuerbaren Energien in Mexiko und Deutschland behandelt. Nach einem Vortrag über die die aktuelle politische Lage in Mexiko wurde das Kongressthema aus dortiger Sicht und aus deutscher Sicht von dem Leiter der Würzburger Forschungsstelle Thorsten Müller im europarechtlichen Rahmen und dann von Ruben Müller vom zuständigen deutschen Bundesministeriums behandelt. Der Begrüßungsabend fand in dem romantischen Gasthaus Alte Mainmühle statt.

In den Räumen des Iberoamerikanischen Instituts der Stiftung Preußischer Kulturbesitz in Berlin wurden 2010 Fragen des internationalen Rechts des Kulturgüterschutzes erörtert. Aus Anlass des 200. Jahrestages des Beginns der mexikanischen Unabhängigkeitsbewegung widmete sich Prof. Dr. Walther L. Bernecker von der Uni Erlangen dem Thema Entwicklungsprobleme Mexikos seit der Unabhängigkeit und Nicolaus Werz von der Uni Rostock dem Thema „Zum Diskurs über die Independencia“.

Bei der Jahrestagung in Berlin im November 2011, die mit einem Grußwort des mexikanischen Botschafters Francisco N. Gonzales eröffnet wurde, behandelte Alejandro Rodiles von der Humboldt-Universität die neue Rolle der mexikanischen Rechtsprechung in Menschenrechtsfragen, das neue DMJV-Vorstandsmitglied Christian Hildebrand das Schiedsverfahren in Mexiko, DMJV-Generalsekretär Dr. Philipp-André Zinn die Gestaltung der Satzung der mexikanischen Aktiengesellschaft im Hinblick auf Investitionen in Mexiko und Mauriicio Foeth, deutscher Rechtsanwalt in Mexiko.

Bei dem Jahreskongress 2012 ging es nach einem gemeinsamen Abendessen in dem mexikanischen Restaurant Tipica wiederum in der mexikanischen Botschaft in Berlin um besondere Aspekte der Rechtsprechung des mexikanischen obersten Gerichts. Die Entwicklung der Demokratie in Mexiko wurde von Lauth, jetzt Universität Würzburg, und im lateinamerikanischen Kontext von Werz behandelt.

Wie die zwangläufig geraffte Übersicht zeigt, har die DMJV nunmehr über 25 Jahre lang wichtige Entwicklungen zwischen Mexiko und Deutschland auf unterschiedlichen Rechtsgebieten verfolgt und Anregungen gegeben. Als ein Forum eines vertieften Austauschs von Gedanken und Erfahrungen wird sie sich auch künftig verstehen.